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BIM & Digital Twin in großen deutschen Bürogebäuden

BIM & Digital Twin in großen deutschen Bürogebäuden

Ein BIM-Modell entwickelt sich zu einem dynamischen digitalen Zwilling, wenn es mit Echtzeit-Betriebsdaten angereichert wird – so wird ein proaktives Management der Gebäudesysteme möglich. Große Bürogebäude werden vermehrt mithilfe umfangreicher Building Information Modeling (BIM)-Daten bewirtschaftet, die im Betriebszustand in einen Digitalen Zwilling überführt werden. Normen wie DIN EN ISO 19650 liefern einen Rahmen für kollaboratives Datenmanagement über den gesamten Gebäudelebenszyklus und stellen das „Single Source of Truth“-Prinzip sicher, bei dem alle Beteiligten auf aktuelle, geprüfte Informationen zugreifen können. Die Umstellung vom BIM-Planungsmodell auf einen lebendigen digitalen Zwilling ist nicht nur ein technologisches Upgrade, sondern eine strategische Transformation im Facility Management. Sie ermöglicht es Eigentümern und Betreibern, neue Services und Effizienzgewinne zu erschließen – durch die Genauigkeit von Bestandsdaten, Echtzeit-Monitoring und prädiktive Analysen. Der Weg vom BIM-Planungsmodell hin zu einem vollwertigen digitalen Zwilling in der Betriebsphase markiert einen bedeutenden Fortschritt für das Facility Management in großen Bürogebäuden. Das übersetzt sich direkt in höhere Effizienz (durch Automatisierung und vorausschauende Erkenntnisse), verbesserte Compliance (von Energiegesetzgebung bis Datenschutz) und größere Agilität bei Veränderungen. Ein Digital Twin wird gewissermaßen zum digitalen Rückgrat des Gebäudes – er integriert vormals isolierte Systeme (Pläne, Handbücher, Sensornetzwerke, Wartungspläne) zu einem Ganzen.

Der digitale Zwilling ist weit mehr als ein Tech-Tool – er verkörpert eine Philosophie im Gebäudemanagement, nämlich Gebäude als integrierte, intelligente Systeme zu betrachten. Dies befähigt das Facility Management, zu einer strategischen Funktion zu werden, die in jeder Phase des Gebäudelebenszyklus Mehrwert schafft, und sorgt für betriebliche Widerstandsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Exzellenz im deutschen kommerziellen Bürosektor.

Vom Planungs-BIM zum As-Built-Übergabemodell

Planungs-BIM zum As-Built-Übergabemodell

Die Umwandlung eines BIM-Modells aus der Planungs- und Bauphase in ein As-Built-Modell für den Betrieb ist ein entscheidender Schritt, um sicherzustellen, dass zwischen Bau und Nutzung keine Informationen verlorengehen. In der Projektabschlussphase wird jedes Objekt – von technischen Anlagen über elektrotechnische Komponenten bis hin zu Oberflächen – geprüft und im BIM-Modell dokumentiert. So entsteht ein Asset Information Model (AIM) für das Facility Management. Um dies zu erreichen, nutzen Projektteams strukturierte Datenexporte wie COBie (Construction-Operations Building Information Exchange) und IFC (Industry Foundation Classes). Diese offenen Datenformate erfassen die Eigenschaften der Anlagen, Raumdaten und Wartungsinformationen in einer Form, die in FM-Datenbanken überführt werden kann. Ein COBie-Export liefert beispielsweise ein umfassendes Anlagenverzeichnis (von Lüftungsgeräten bis Feuerlöschern), das ins CAFM-System importiert werden kann und sicherstellt, dass jedes Gewerk und Gerät bei der Übergabe vollständig dokumentiert ist. Eine IFC-Datei bildet dagegen Geometrien und räumliche Positionen aller Bauteile inklusive ihrer Attribute ab und dient als detailgetreues Referenzmodell des gebauten Zustands.

Die frühe Einbindung des Facility Managements in die Übergabeplanung ist dabei essenziell. „Datenübergaben“ – vordefinierte Informationslieferungen zu bestimmten Projektmeilensteinen – werden entsprechend den Projektphasen geplant (z.B. gemäß DIN 276 für Kosten- und Bauteilgruppen sowie ISO 19650-2 für die planmäßige Informationslieferung). Anstatt das Thema Handover als Nebensache zu behandeln, integrieren fortschrittliche Projekte die FM-Anforderungen von Anfang an. Das bedeutet, dass das Modell zum Abschluss der Bauarbeiten nicht nur ein „As-Designed“-Modell ist, sondern ein echter „As-Built“-Zwilling, der alle Änderungen aus Bau und Inbetriebnahme berücksichtigt. Nach Best Practice umfasst die Übergabe definierte Datenpakete, etwa Betriebs- und Wartungsanleitungen, Gerätelisten, Garantiezeiten und Raumbücher, die alle mit dem BIM-Modell verknüpft sind. Damit wird eine oft klaffende historische Lücke geschlossen: Zu häufig wurden Gebäude mit BIM-Daten übergeben, die in schwer zugänglichen Formaten vorlagen oder unvollständig waren, was es dem FM erschwerte, sie effektiv zu nutzen. Im Gegensatz dazu liefert ein standardbasierter Ansatz lesbare und zugängliche Daten. Wenn alles richtig läuft, entsteht bei der Übergabe ein voll gefülltes AIM, in dem jede Pumpe, jedes Klimagerät, jedes Leuchtmittel und jeder Sensor erfasst ist. Dadurch reduziert sich der Aufwand für die Aufbauphase des Anlagenregisters drastisch. Kurz: Strukturierte BIM-Daten zur Übergabe (via COBie, IFC und klar definierten Datenabgaben) legen das Fundament für einen erfolgreichen Digital Twin, indem sie vom ersten Betriebstag an für Genauigkeit und Vollständigkeit der Informationen sorgen. Dieser Prozess – geleitet von den Anforderungen der DIN ISO 19650-2 für die Lieferphase – ebnet den Weg für einen reibungslosen Übergang in die Betriebsphase des Gebäudes, ohne dass Informationen auf der Strecke bleiben.

DIN ISO 19650-konforme Datenverwaltung

Ein belastbares Datenmanagement ist das Rückgrat jeder BIM-zu-Digital-Twin-Strategie. Die Normenreihe DIN EN ISO 19650 (die deutsche Umsetzung der ISO 19650) legt fest, wie Informationen über den Gebäudelebenszyklus organisiert, benannt, ausgetauscht und gepflegt werden. Im Zentrum steht das Konzept der Common Data Environment (CDE) – einer gemeinsamen Datenumgebung, in der alle Projekt- und Betriebsdaten in strukturierten „Informationscontainern“ (Dateien, Modelle, Dokumente) mit konsequenter Versionskontrolle und Zugriffssteuerung abgelegt sind. Die Nutzung einer CDE stellt sicher, dass „die richtigen Personen zur richtigen Zeit an den richtigen Informationen arbeiten“ und fördert sowohl Zusammenarbeit als auch Datensicherheit. Konkret bedeutet das: Jede Zeichnung, jedes BIM-Modell, jeder Bericht und sogar jeder Sensordatenstrom wird in einem kontrollierten Repository vorgehalten – mit standardisierten Benennungen (gemäß vereinbarten Regeln, wie sie auch ISO 19650 vorsieht), Metadaten zu Status und Version sowie Protokollierung aller Änderungen. Ein Facility Manager in Deutschland könnte beispielsweise eine CDE-Plattform einsetzen, die ISO 19650-konform ist, um Bestandspläne, Wartungsprotokolle und Live-IoT-Daten zentral und verknüpft mit dem digitalen Zwilling zu verwalten. Dieser Ansatz minimiert das Risiko fragmentierter oder widersprüchlicher Daten, indem er eine einheitliche Wahrheit („Single Source of Truth“) für alle Beteiligten schafft – vom Eigentümer über Dienstleister bis hin zum Mieter (jeder mit passender Berechtigung, um den Datenschutz – z.B. DSGVO – einzuhalten).

Die ISO 19650 definiert zudem klare, rollenbasierte Informationsanforderungen auf organisatorischer, Projekt- und Anlageebene. Dazu gehören Organisatorische Informationsanforderungen (OIR) – also die hochrangigen Informationen, die ein Eigentümer/Betreiber benötigt, um seine strategischen Ziele zu erreichen; Projekt-Informationsanforderungen (PIR) – die Informationen, die während der Projektabwicklung (Planung/Bau) benötigt werden; und Anlagen-Informationsanforderungen (AIR) – die detaillierten Daten, die nötig sind, um das gebaute Objekt effektiv zu betreiben und instand zu halten. Ein Beispiel: Eine Organisation könnte als OIR festlegen, dass sie für ihre Nachhaltigkeitsstrategie den Energieverbrauch jedes Gebäudes genau erfassen muss. Daraus ergibt sich als PIR für das Bauprojekt, dass Zähler und Sensoren im BIM-Modell vorgesehen und dokumentiert werden, und als AIR in der Betriebsphase, dass der digitale Zwilling fortlaufend die Verbrauchsdaten pro Anlage und Raum erfasst. Das Informationsmanagement nach ISO 19650 sorgt dafür, dass solche Anforderungen frühzeitig erkannt und durch entsprechende Lieferobjekte erfüllt werden. Darüber hinaus gewährleisten standardisierte Benennungskonventionen und Datenstrukturen (oft basierend auf Vorlagen wie DIN SPEC 91391 oder dem alten britischen PAS 1192) eine schnelle Orientierung: Jeder, der auf das Modell oder die Dokumente zugreift, findet zügig die richtige Information. So kann etwa ein Servicetechniker den neuesten genehmigten Elektroplan einer bestimmten Etage anhand des Dateicodes identifizieren. Vorgaben zur Versionierung stellen sicher, dass keine veralteten Pläne verwendet werden: Informationen durchlaufen definierte Phasen wie Work-in-Progress (WIP), Shared (für die Koordination), Published (freigegebene Informationen) und Archived, jeweils mit einem Statuskennzeichen. Dieser stringente Ansatz der Datenverwaltung trägt direkt zur Zuverlässigkeit von Lebenszyklusdaten bei. Er stellt sicher, dass auch Jahre nach der Übergabe die Daten im Digital Twin konsistent, strukturiert und vertrauenswürdig sind. Zusammengefasst ist die Einhaltung der DIN ISO 19650 nicht bloß Bürokratie – sie ermöglicht vielmehr, dass das Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg von allen Beteiligten datenbasiert und abgestimmt bewirtschaftet werden kann, was letztlich effizienteres Arbeiten und die sichere Erfüllung aller Compliance-Verpflichtungen bedeutet.

Asset-Tagging & Metadaten im Digital Twin

Ein zentraler Schritt, um ein BIM-Modell im Betrieb wirklich nutzbar zu machen, ist das Asset-Tagging – das Verknüpfen physischer Geräte und Komponenten mit ihren digitalen Repräsentationen durch eindeutige Kennungen. In einem großen Bürogebäude befinden sich oft Tausende von Assets (von HLK-Geräten und Pumpen über Leuchten und Sensoren bis zu Brandschutzeinrichtungen). Wenn jedes dieser Objekte mit einem QR-Code, RFID-Tag oder Barcode versehen wird, der auf einen Eintrag im digitalen Zwilling verweist, entsteht eine effiziente Brücke zwischen der physischen und der digitalen Welt. Während der Bau- oder Inbetriebnahmephase ermöglicht diese Kennzeichnung, dass jedes Teil gescannt und im Modell oder FM-System gefunden werden kann. Die Praxis zeigt: Die einzig praktikable Methode, ein virtuelles Objekt mit seinem physischen Gegenstück zu verbinden, ist die Verwendung einer Form von Tagging – z.B. RFID- oder QR-Codes. Leider wurde dieser Schritt in der Vergangenheit bei der Übergabe oft vernachlässigt, was zu einer Diskrepanz führte: Das FM-Team erhielt zwar ein BIM-Modell oder IFC-Daten, aber an den realen Anlagen fehlten Kennzeichen, um die Informationen einfach zuzuordnen. In solchen Fällen blieben wertvolle BIM-Daten häufig ungenutzt, weil sie in komplexen Dateien „eingeschlossen“ waren und nicht direkt mit dem sichtbar Vorhandenen verknüpft werden konnten.

Ein modernes Digital-Twin-Konzept löst dieses Problem, indem sichergestellt wird, dass vom ersten Tag der Nutzungsphase an jedes Asset ein Label hat, das im System registriert ist. Wenn ein Techniker den QR-Code einer Lüftungsanlage oder einer Brandschutztür scannt, liefert der digitale Zwilling unmittelbar alle zugehörigen Objektdaten: technische Dokumentation, Hersteller, Modell, Einbaudatum, Garantieablauf, Wartungshistorie und etwaige Betriebsdaten. Möglich ist das, weil die Datenbank des digitalen Zwillings bereits bei der As-Built-Übergabe mit umfangreichen Metadaten gefüllt wurde und im Laufe der Zeit weiter angereichert wird. Anbieter sprechen hier von einem digitalen Profil für jedes Asset, das initiale Informationen aus den IFC/COBie-Exports des BIM zieht und sie dann über verschiedene Quellen aktualisiert. So könnte eine FM-Software z.B. das „Letzte-Wartung“-Datum eines Geräts automatisch updaten, sobald ein Wartungsauftrag abgeschlossen wurde, oder die Betriebsstunden via Sensor eintragen. All diese Infos sind über die eindeutige Kennung des Assets verknüpft. Ein Beispiel: Eine große Luftbehandlungsanlage (AHU) im 5. Stock erhält einen RFID-Tag; scannt man diesen vor Ort mit einem Tablet, zeigt der digitale Zwilling die 3D-Position im Modell und die vollständige Serviceakte an – inklusive aller Handbücher und früheren Wartungen. Dieser sofortige Zugriff auf Dokumentation und Daten strafft die Instandhaltungsabläufe, da das Personal nicht mehr in physischen Ordnern oder unterschiedlichen Softwaretools nach Informationen suchen muss – alles ist direkt am Objekt im Modell verfügbar.

Darüber hinaus ermöglicht die Kombination von Asset-Tagging und BIM eine gemeinschaftliche und aktuelle Verwaltung der Anlagendaten. Sobald das Gebäude in Betrieb geht, liefert in der Regel der digitale Zwilling für jedes Gerät ein eigenes „Profil“ und aktualisiert es laufend über mehrere Wege: automatisierte Einträge (z.B. ein Scan loggt den Zeitpunkt und Ort einer Kontrolle), manuelle Eingaben bei Änderungen und die Integration von IoT-Sensoren für Live-Statuswerte. So bleibt der Digital Twin stets im Einklang mit der Realität. Einrichtungen, die diesen Ansatz verfolgen, hinterlegen häufig schon im BIM-Übergabemodell umfassende Metadaten. Ein professionell umgesetztes BIM/FM-Konzept wird das Modell um Informationen wie Einbaudaten, technische Spezifikationen, Garantiefristen und Wartungsintervalle der Geräte erweitern. Diese Daten sind dann abfragbar. Ein Asset-Manager könnte z.B. im digitalen Zwilling alle Anlagen filtern, deren Garantie in den nächsten sechs Monaten abläuft, um proaktiv Ersatz oder Verlängerungen anzugehen. Insgesamt schalten Betreiber durch die Kennzeichnung physischer Assets und die Anreicherung des BIM-Modells mit aussagekräftigen Metadaten den vollen Nutzen des digitalen Zwillings frei: Das Personal vor Ort erhält schnellen Zugriff auf relevante Informationen, die Datenqualität verbessert sich, und jedes physische Teil ist in der digitalen Welt repräsentiert. Diese Vorgehensweise steigert nicht nur die Effizienz, sondern ebnet auch den Weg für weiterführende Instandhaltungsstrategien und Analysen, die auf diesem soliden Informationsfundament aufbauen.

Energie- und Nutzungssimulationen mit dem digitalen Zwilling

Mit einem präzisen As-Built-BIM-Modell können Facility Manager es als Simulationswerkzeug nutzen, um die Gebäudeperformance zu optimieren. Ein digitaler Zwilling, angereichert mit Echtzeitdaten, ermöglicht anspruchsvolle Energie- und Belegungssimulationen, die im Betrieb großer Bürogebäude wertvolle Hinweise liefern. Eine Hauptanwendung ist die Analyse der HLK-Lasten (Heizung, Lüftung, Klimatechnik) unter variierenden Bedingungen. Mithilfe der BIM-Geometrie und Materialeigenschaften kann der digitale Zwilling modellieren, wie sich Lüftungsanforderungen in Abhängigkeit von der Personenzahl verändern oder wie die Luftqualität durch verschiedene Steuerstrategien beeinflusst wird. Beispielsweise lässt sich simulieren, wie der Luftaustausch in Büroräumen bei unterschiedlicher Belegung verläuft – so kann das FM-Team erkennen, ob bestimmte Zonen während Zeiten geringer Belegung überbelüftet werden (und dadurch Energie verschwenden). Die Betriebsparameter wie Ventilator-Drehzahlen oder Klappenstellungen können daraufhin gezielt angepasst werden, um Energie zu sparen und dennoch Komfort sicherzustellen. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Tageslichtsimulation. Das BIM-Modell enthält Ausrichtung, Fensterflächen und Verschattungselemente des Gebäudes und kann genutzt werden, um den natürlichen Lichteinfall zu simulieren. Facility Manager können so feststellen, ob die Innenraumgestaltung oder die Steuerung der Jalousien eine optimale Tageslichtnutzung ermöglichen oder ob bestimmte Bereiche tagsüber unnötig auf Kunstlicht angewiesen sind. Die Optimierung der Tageslichtnutzung reduziert nicht nur den Stromverbrauch für Beleuchtung, sondern fördert auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter – ein Kriterium, das in Nachhaltigkeitszertifizierungen wie der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) für visuelle Komfort eine wichtige Rolle spielt. Ebenso können Belegungssimulationen durchgeführt werden, indem man den digitalen Zwilling mit Sensordaten zur Anwesenheit oder mit Zeitplandaten koppelt. Dadurch lässt sich die Flächenausnutzung analysieren: Welche Besprechungsräume oder Zonen sind häufig überbelegt, welche bleiben ungenutzt? Mit diesen Erkenntnissen kann das Flächenmanagement verbessert werden, indem Bereiche entsprechend ihrer tatsächlichen Nutzung umgewidmet oder angepasst werden. Wenn zum Beispiel Simulationen (und Echtzeitdaten) zeigen, dass eine Etage konstant nur zu 50% belegt ist, während eine andere übervoll ist, könnte das Management Teams umziehen lassen oder Mietflächen neu aufteilen, um die Auslastung auszugleichen.

All diese Simulationsmöglichkeiten zahlen direkt auf ESG-Ziele (Environment, Social, Governance) und Nachhaltigkeitsvorgaben ein. Die energetische Modellierung über den digitalen Zwilling hilft dabei, Anlageneinstellungen zu optimieren und führt unmittelbar zu einer Reduktion des Energieverbrauchs und CO₂-Ausstoßes. Laut Branchenanalysen kann der kombinierte Einsatz von BIM und Digital-Twin-Technologie die Emissionen eines Gebäudes erheblich senken – ein Bericht deutet auf bis zu 50–100 % weniger CO₂-Emissionen sowie 35 % niedrigere Betriebskosten hin, wenn man die Performance mithilfe dieser Werkzeuge optimiert. Das ist essenziell, um die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen und die Vorgaben des GEG 2024 für energieeffiziente Gebäude zu erfüllen. Zudem unterstützen Tageslicht- und Belegungsoptimierungen die Erfüllung von DGNB-Kriterien (z.B. für Innenraumkomfort und Nutzerzufriedenheit) und fließen in ESG-Reportings ein, wo Unternehmen darlegen müssen, wie sie den Energieverbrauch und das Wohlbefinden der Gebäudenutzer verbessern. Ein digitaler Zwilling liefert hierfür die Datengrundlage: Er kann dokumentieren, wie sich Maßnahmen (etwa der Austausch von Leuchtmitteln gegen LEDs oder die Feineinstellung der Klimaregelung) quantitativ auf die Performance auswirken. Indem Umweltwirkungen verschiedener Entwurfs- oder Betriebsentscheidungen simuliert werden, können Teams nachhaltigere Optionen wählen – z.B. den Energieverbrauch durch bessere Materialien oder passive Strategien senken. Überdies ermöglicht das kontinuierliche Monitoring via Twin den Verantwortlichen, zu überprüfen, ob die prognostizierten Einsparungen tatsächlich eintreten, was einen Feedback-Kreislauf für laufende Verbesserungen schafft.

Ein anschauliches Beispiel ist das Flächenmanagement mittels Simulation: Falls Belegungsmodelle zeigen, dass ein großer Konferenzraum nur selten voll ausgelastet ist, könnte man diesen Raum unterteilen oder anders nutzen. Umgekehrt, wenn etwa die Kantine zu Stoßzeiten ständig überfüllt ist, kann der digitale Zwilling helfen, alternative Möblierungen oder geänderte Lüftungsmaßnahmen virtuell zu testen, um die Situation zu entzerren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass bei der Erfassung von Belegungsdaten der Datenschutz gewahrt bleibt – Personenbezogene Daten (z.B. wer wann wo ist) müssen gemäß DSGVO anonymisiert oder aggregiert verarbeitet werden. Hier kann der Digital Twin unterstützen, indem er z.B. nur die Auslastung in Prozent anstelle individueller Präsenzdaten verarbeitet und dennoch die nötigen Erkenntnisse liefert. Zusammenfassend verwandelt die Kopplung von BIM-basierten Simulationen mit realen Betriebsdaten den digitalen Zwilling in ein mächtiges Entscheidungswerkzeug. Facility Manager können Gebäudesysteme vorausschauend feinjustieren, um Energieeinsparung und ESG-Standards zu erreichen, und gleichzeitig den Komfort und die Flächeneffizienz steigern – und all das zunächst virtuell erproben, bevor Veränderungen in der Realität umgesetzt werden. Dieses vorausschauende Vorgehen minimiert Risiken und trägt dazu bei, dass Büros nicht nur effizient, sondern auch gesund und behaglich für ihre Nutzer sind.

IoT-gestützte prädiktive Wartungsprozesse

Einer der größten Mehrwerte eines digitalen Gebäudezwillings ist seine Fähigkeit, prädiktive Instandhaltung durch die Integration von IoT-Sensordaten zu ermöglichen. In einem großen Bürogebäude sind kritische Anlagen wie Kälteerzeuger, Pumpen, Aufzüge oder Lüftungsanlagen üblicherweise mit Sensoren ausgestattet, die Parameter wie Vibration, Temperatur, Druck, Stromaufnahme oder Betriebsstunden messen. Indem man diese Live-Datenströme ihren jeweiligen BIM-Objekten im Digital Twin zuordnet, erhalten Facility Manager ein Echtzeit-Gesundheitsmonitoring aller technischen Systeme. Der digitale Zwilling wird de facto zu einem Frühwarnsystem: Er überwacht kontinuierlich die Leistungsdaten und nutzt Analysen, um Abweichungen zu erkennen, die auf bevorstehende Störungen hindeuten könnten. Wenn beispielsweise ein Lager in einem Motor stärker vibriert als üblich oder der Wirkungsgrad einer Pumpe nachlässt, kann der Twin die entsprechende Komponente im 3D-Modell hervorheben (ggf. durch Farbwechsel oder ein Alarm-Symbol) und einen Wartungshinweis generieren. Dieser prädiktive Ansatz verlagert die Instandhaltung von einer reaktiven oder starren Intervallplanung hin zu einem vorausschauenden Modell. In einer Fallstudie wurde etwa gezeigt, dass die Implementierung eines digitalen Zwillings mit KI-Analyse „Fehlfunktionen Wochen oder Monate im Voraus vorhersagen und automatisch Wartungsaufträge auslösen“ kann. Die Vorteile liegen auf der Hand: Untersuchungen zeigen, dass prädiktive Instandhaltung die Instandhaltungskosten um bis zu 30 % senken und ungeplante Ausfälle um bis zu 70 % reduzieren kann. Für ein großes Bürogebäude bedeutet dies weniger Störungen im Mietbetrieb (z.B. Klimaanlagen, die bei Sommerhitze ausfallen, oder Aufzüge, die stecken bleiben) und eine längere Lebensdauer teurer Anlagen durch rechtzeitige Eingriffe.

Damit das funktioniert, wird die Digital-Twin-Plattform mit dem Gebäudeleitsystem (GLT/BMS) und dem Computerized Maintenance Management System (CMMS) verzahnt. Die GLT liefert Echtzeitdaten (Temperaturen, Durchflüsse, Störmeldungen aus der Gebäudeautomation), die in die CDE (Common Data Environment) des Zwillings eingespeist und dort den BIM-Elementen zugeordnet werden. Gleichzeitig sorgt die CMMS-Integration dafür, dass die Analytik des Twins bei einer erkannten Anomalie automatisch eine Meldung oder einen Arbeitsauftrag in der Instandhaltungssoftware erzeugen kann. Ein Beispiel: Ein Sensor an einem Lüftungsgerät misst ein ungewöhnliches Vibrationsmuster (möglicherweise ein Anzeichen für ein unwuchtiges Gebläse). Die Analysesoftware des digitalen Zwillings erkennt dieses Muster, vergleicht es mit der Wartungshistorie und der erwarteten Performance des Lüfters und löst in der CMMS-Anwendung einen Auftrag für einen Techniker aus, das Bauteil zu prüfen oder zu tauschen. Dieser Auftrag enthält dann idealerweise auch einen Verweis auf die Asset-ID im BIM-Modell, sodass der Techniker die Komponente leicht lokalisieren und ihr digitales Profil mit allen nötigen Informationen abrufen kann. Nachdem die Wartung durchgeführt wurde, dokumentiert der Techniker das Ergebnis über eine mobile App, was wiederum in den Zwilling zurückgespielt wird – der Kreislauf schließt sich und die Datenbasis verbessert sich kontinuierlich. Diese enge Integration stellt sicher, dass prädiktive Wartungsabläufe kein isoliertes Experiment bleiben, sondern integraler Bestandteil des täglichen FM-Betriebs sind.

Auch deutsche Branchenrichtlinien betonen die Wichtigkeit eines solchen proaktiven Instandhaltungsansatzes. Die Richtlinie VDI 2882 zum Obsoleszenzmanagement (herausgegeben vom Verein Deutscher Ingenieure) etwa legt Strategien dar, um Produktionsausfälle durch rechtzeitiges Erkennen veralteter oder verschleißanfälliger Komponenten zu vermeiden. Im Kern propagiert VDI 2882 ein vorausschauendes, strategisches Ersatzteil- und Instandhaltungsmanagement, was gut zu der Digital-Twin-gestützten prädiktiven Instandhaltung passt, bei der Teile ersetzt werden, bevor sie kritisch ausfallen. Bei diesem Ansatz werden die Sensordaten laufend mit Sollprofilen und historischen Trends verglichen. Selbstlernende Algorithmen können zum Beispiel den normalen Stromverbrauchsverlauf eines Aufzugmotors ermitteln und Alarm schlagen, wenn es zu ungewöhnlichen Abweichungen kommt, die nicht dem üblichen Verschleiß entsprechen. Die Integration mit dem CAFM/CMMS hat auch zur Folge, dass Wartungspläne flexibler werden. Anstatt starr kalendarisch vorbeugend zu warten (was oft zu Unter- oder Überwartung führt), werden Aufgaben auf Basis des tatsächlichen Zustands und der tatsächlichen Nutzung terminiert – ein Kernprinzip der prädiktiven Instandhaltung. Zudem erleichtert diese IoT-BIM-Synergie die Einhaltung von Normen wie VDI 3810 (die Betrieb und Instandhaltung von Gebäudetechnik behandelt) und unterstützt neue digitale Instandhaltungskonzepte.

Aus FM-Sicht sind die Ergebnisse greifbar: Weniger Notfalleinsätze, optimierte Ersatzteillagerhaltung (da man im Voraus weiß, was wahrscheinlich bald benötigt wird) und eine bessere Auslastung der Techniker, die sich auf absehbare Aufgaben konzentrieren können. Darüber hinaus trägt der Digital Twin zur ständigen Verbesserung der Instandhaltungsstrategie bei. Jede Störungswarnung und deren Behebung wird protokolliert, und über die Zeit können die Daten Muster erkennen – vielleicht zeigt sich, dass ein bestimmter Pumpentyp nach 5 Betriebsjahren immer Vibrationsprobleme entwickelt, was künftige Kaufentscheidungen oder Garantieverhandlungen beeinflusst. Die Live-Sensorintegration schafft auch Transparenz für Eigentümer und Mieter; fortschrittliche Systeme ermöglichen es sogar, dass Mieter bestimmte Kennzahlen in Echtzeit einsehen können (z.B. aktuelle Luftqualitätswerte oder Aufzugsverfügbarkeiten), was demonstriert, dass das Gebäude aktiv und vorausschauend gemanagt wird. Zusammenfassend schafft die Erweiterung des BIM-Modells um IoT-Daten die Grundlage für einen prädiktiven Instandhaltungsprozess, der nicht nur Probleme verhindert und Kosten senkt, sondern auch den deutschen Ingenieursstandards (wie VDI 2882) für proaktives Anlagenmanagement entspricht. Das Ergebnis sind sicherere, zuverlässigere und effizientere Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus.

Smarte Modernisierung & Mieterausbau-Planung

Gewerbliche Bürogebäude in Deutschland durchlaufen im Laufe ihres Lebens mehrfach Modernisierungen, Umbauten oder Mieteranpassungen (Fit-Outs). Ein umfassender digitaler Zwilling erleichtert diese Vorhaben erheblich, indem er als verlässliche Referenz und Planungsgrundlage dient. Sobald eine neue Umbaumaßnahme ansteht – sei es die Umgestaltung eines Stockwerks für einen neuen Mieter oder die Nachrüstung eines effizienteren Lüftungssystems – wird zuerst der digitale Zwilling (das aktuelle Bestands-BIM-Modell) herangezogen. Planer und Bauunternehmer können im detaillierten 3D-Modell die bestehenden Gegebenheiten studieren: den Verlauf tragender Bauteile, die Führung der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) und räumliche Reserven oder Einschränkungen. Das reduziert aufwändige Vor-Ort-Aufmaße. Noch wichtiger: Der digitale Zwilling ermöglicht es, Kollisionen (Clashes) bereits virtuell zu erkennen. Ingenieure fügen die geplanten neuen Elemente (z.B. zusätzliche Lüftungskanäle, Kabeltrassen, Trennwände) ins Modell ein und führen eine automatische Kollisionsprüfung durch, um Konflikte zwischen dem geplanten Ausbau und der vorhandenen Bausubstanz aufzudecken. Das Erkennen solcher Konflikte im Modell – etwa dass eine neu geplante Leitung mit einem bestehenden Sprinklerrohr kollidiert – erlaubt Anpassungen oder Umplanungen, noch bevor vor Ort gebaut wird. Dies spart Zeit und Geld, da Nacharbeiten auf der Baustelle vermieden werden. Wie eine Quelle hervorhebt, dient ein detaillierter Digital Twin „als unverzichtbares Hilfsmittel für Renovierungsprojekte, erleichtert Clash Detektion, verbessert die Planungskoordination und ermöglicht einen fundierteren Ansatz in der Bauablaufplanung“. Sprich: Der digitale Zwilling bietet einen Spielraum für alle Projektbeteiligten, um Ideen und Abläufe virtuell zu erproben und zu optimieren, sodass es beim tatsächlichen Umbau weniger Überraschungen gibt.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil sind präzise Mengenermittlungen und Kostenschätzungen aus dem Modell. Da der digitale Zwilling sämtliche Geometrie- und Attributdaten enthält, können Softwaretools die benötigten Materialmengen (beispielsweise Fläche der neu zu streichenden Wände oder Länge der zu verlegenden Kabel) direkt daraus ziehen. Bei einem Mieterumbau kann das Modell etwa ein Leistungsverzeichnis für neue Trennwände, Bodenbeläge und Beleuchtungskörper generieren, was die Genauigkeit von Kostenvoranschlägen und Beschaffung verbessert. Gekoppelt mit Kostendatenbanken (möglicherweise nach DIN 276 gegliedert) hilft der digitale Zwilling, Budgets zu erstellen und die Kosten von Umbauarbeiten im Blick zu behalten. Auch die Bauablaufsimulation (4D-BIM) profitiert erheblich vom Modell – gerade in einem teilweise genutzten Bürogebäude. Die Umbauarbeiten können im Modell zeitlich (als Bauphasen) simuliert werden, um zu sehen, wie die einzelnen Schritte (Rückbau, Einbau, Inbetriebnahme) im Kalender ablaufen und welche Auswirkungen sie auf den laufenden Betrieb haben könnten. Durch eine Optimierung der Abfolge im Modell können Projektleiter die Ausfallzeiten für Nutzer minimieren und Gewerke so koordinieren, dass sie sich nicht gegenseitig behindern – z.B. laute Arbeiten in die Abendstunden legen oder sicherstellen, dass nicht zwei Trupps parallel im selben Bereich arbeiten. Untersuchungen zeigen, dass eine solche digitale Planung Abfall und Ineffizienzen auf der Baustelle reduziert; präzise Mengenermittlungen und optimierte Bauabläufe über das Modell führen zu weniger Verschnitt und besser getakteten Prozessen, was den Baubetrieb effizienter und nachhaltiger macht. Das schont nicht nur das Budget, sondern zahlt auch auf Nachhaltigkeitsziele ein, indem unnötiger Materialverbrauch und Abfall vermieden werden.

Auch für die Koordination mit Mietern erweist sich der Digital Twin als nützliches Kommunikationsmittel. In mehrvermieteten Bürohäusern können Umbaupläne als Visualisierungen oder virtuelle Rundgänge aus dem Modell mit den Mietern geteilt werden. Dies hilft den Mietern zu verstehen, was geplant ist und wie der Zeitplan aussieht. Diese Transparenz schafft Vertrauen und ermöglicht Feedback von ihrer Seite (ein Mieter könnte z.B. anmerken, welche Bereiche seines Büros auf keinen Fall tagsüber blockiert sein dürfen, worauf der Plan dann Rücksicht nehmen kann). Da der Zwilling die „einzige Quelle der Wahrheit“ darstellt, beseitigt er auch Verwirrung, die aus unterschiedlichen Planständen oder nachträglichen Änderungen entstehen kann. Alle – Eigentümer, Facility Manager, Planer, Bauunternehmen und Mieter – beziehen sich auf dasselbe aktuelle digitale Modell. Während der Bauausführung werden alle Änderungen (sei es eine leicht versetzte Wand oder ein anderes eingebautes Leuchtenmodell) im Modell protokolliert. Moderne BIM-Software auf Tablets erlaubt es den Bauleitern vor Ort, Abweichungen oder As-Built-Anpassungen in Echtzeit zu vermerken, welche später ins Hauptmodell übernommen werden. Nach Abschluss des Umbaus wird der digitale Zwilling erneut aktualisiert, sodass er den neuen Soll-Zustand abbildet und bereit ist für die nun folgende Betriebsphase. Diese fortlaufende Aktualisierung stellt sicher, dass man selbst nach mehreren Ausbauten immer noch ein akkurates Modell des Gebäudes hat (anstatt sich auf alte Pläne zu verlassen). Das Resultat sind schnellere und reibungslosere Bauprojekte, bessere Kostenkontrolle und eine zufriedenstellendere Abstimmung mit den Nutzern. Gebäudeinhaber können dank des Digital Twins Modernisierungen und Mieterausbauten mit größerer Sicherheit durchführen und dabei die Wertschöpfung des Gebäudes erhalten bzw. steigern. Im Grunde macht der digitale Zwilling Umbauprojekte vorhersehbarer und kollaborativer, indem potenzielle Probleme erst am Bildschirm gelöst werden, bevor sie auf der Baustelle teuer würden.

Kontinuierliche Modellpflege & Synchronisation mit dem Feld

Ein digitaler Zwilling ist immer nur so nützlich, wie er aktuell ist. Gebäude sind dynamisch – Anlagen werden ausgetauscht, Räume umgenutzt, kleinere Umbauten finden ständig statt. Daher muss ein Prozess etabliert werden, der eine kontinuierliche Aktualisierung des Modells und Synchronisation mit den Vorgängen vor Ort sicherstellt, damit das BIM-Modell (und damit der Digital Twin) die Realität widerspiegelt. Gemäß ISO 19650 fällt dies in den Anwendungsbereich des Informationsmanagements in der Betriebsphase (ISO 19650-3) und in Change-Management-Protokolle. Praktisch bedeutet das: Wann immer sich eine Änderung ergibt – sei es ein kleiner Tausch, wie der Austausch eines Thermostaten, oder eine größere Veränderung, wie das Einziehen einer zusätzlichen Trennwand – wird diese Änderung erfasst und im zentralen Modell nachgeführt. Viele Organisationen implementieren hierzu formale Änderungs- und Update-Workflows. Beispielsweise wenn das Instandhaltungsteam eine alte Pumpe durch ein neues Modell ersetzt, dokumentiert es diese Änderung im Wartungssystem und informiert außerdem den BIM-Koordinator oder „Digital FM“-Verantwortlichen, der für das Modell zuständig ist. Dieser pflegt dann die neuen Geräteinformationen ins Modell ein (neuer Hersteller, Modelltyp, Einbaudatum etc.) oder importiert bei Bedarf sogar ein neues 3D-Objekt, falls die Abmessungen stark abweichen. So bleibt der digitale Zwilling ein „lebendes Dokument“ des Gebäudes. Wie eine Digitalbau-Firma es formuliert: Sobald sich die Anforderungen eines Gebäudes ändern, „kann der digitale Zwilling aktualisiert werden, um Modifikationen abzubilden und eine nahtlose Integration in die bestehende Infrastruktur zu gewährleisten.“. Mit anderen Worten: Das Modell wächst und evolviert mit dem Gebäude mit und verhindert damit, dass Pläne und Wirklichkeit auseinanderlaufen.

Um dies vor Ort zu erleichtern, sind mobile BIM-Werkzeuge und cloud-basierter Modellzugriff unverzichtbar geworden. Techniker und Objektmanager werden geschult, browserbasierte oder App-gestützte BIM-Viewer auf Tablets oder Smartphones zu nutzen. Diese Tools erlauben es, das Modell auf der Baustelle oder im Technikraum aufzurufen, Details zu prüfen und sogar Änderungen direkt zu vermerken. Angenommen, ein Techniker stellt fest, dass in einem Konferenzraum neue Sensoren für die Belegungsmessung installiert wurden – er kann mithilfe einer BIM-App den QR-Code des Raumes scannen, den digitalen Zwilling öffnen und die neuen Sensoren im Modell markieren (oder zumindest einen Änderungshinweis hinterlassen). Später kann ein BIM-Manager diese Info aufnehmen und die Sensoren formal als Objekte mit Metadaten ins Modell einpflegen. Ein anderes Beispiel: Wenn Raumaufteilungen geändert werden (Wände versetzt oder Möblierungen neu arrangiert), kann das FM-Team den neuen Zustand per 3D-Laserscan erfassen oder einfach digitale Skizzen der Änderungen anfertigen. Diese Informationen fließen dann ebenfalls ins BIM-Modell. Moderne CAFM-Software wird zunehmend mit BIM gekoppelt, sodass manche Änderungen direkt über die CAFM-Oberfläche, die mit dem Modell verknüpft ist, erfasst werden können. So kann etwa die Aktualisierung der Raumnutzung oder der Anzahl Arbeitsplätze in einem Raum im CAFM-System automatisch die Raumdaten im BIM-Modell aktualisieren.

Common Data Environments (CDEs) spielen hierbei ebenfalls eine große Rolle. Sie sorgen dafür, dass jede Modell- oder Dateiversion, die geändert wurde, sauber verwaltet und verteilt wird. Nach einer Änderung vor Ort – sobald das Modell angepasst ist – wird die neue Version in der CDE veröffentlicht, meist mit neuer Revisionsnummer und Änderungsprotokoll. Beteiligte, die für diesen Bereich zuständig sind, erhalten eine Benachrichtigung. So arbeiten alle stets mit dem aktuellen Stand. Auf diese Weise sieht z.B. ein externer Dienstleister, der Monate später mit Planungen beauftragt wird, im Modell sofort den aktuellen Zustand (und läuft nicht Gefahr, sich auf ein ausgebautes Gerät oder eine alte Raumeinteilung zu beziehen). Gemäß Best Practice wird auch die Verantwortlichkeit für die Modellpflege eindeutig festgelegt: Typischerweise hat der Bauherr oder Betreiber einen „BIM-Verwalter“ oder Digital-Twin-Manager, der die Bestandsmodelle betreut und Änderungen aus dem Betrieb und kleineren Projekten einpflegt. In mancher Literatur wird sogar empfohlen, „nach Renovierungen explizit jemanden für die Modellaktualisierung zu benennen“, damit kein Projekt abgeschlossen wird, ohne dass der Digital Twin nachgezogen wurde. Dieser Kulturwandel bedeutet, den digitalen Zwilling als eigenständiges Asset zu begreifen, das – analog zu physischen Anlagen – Pflege benötigt.

Aus Compliance-Sicht unterstützt ein gepflegtes Modell auch Behördengänge und Nachweispflichten. Man denke an Brandschutz und Sicherheit: Wenn z.B. ein Brandschutzklappenstandort verlegt wird, stellt die Aktualisierung im Modell sicher, dass Brandschutzpläne und -simulationen weiterhin gültig sind. Oder im Rahmen des deutschen GEG 2024: Werden neue Effizienzmaßnahmen (etwa Dämmungen oder PV-Anlagen) installiert, ermöglicht ihre Abbildung im Modell genauere energetische Nachweise und Berechnungen zur Einhaltung der Vorgaben. Darüber hinaus verringert ein aktuelles Modell Risiken im Notfall – Rettungskräfte könnten Zugang zum digitalen Zwilling erhalten in dem Wissen, dass er die aktuellen Grundrisse und Anlagen zeigt (hilfreich z.B. um Zugänge oder Absperrventile rasch zu finden). Kurz gesagt: Die kontinuierliche Synchronisation des Modells dient dazu, die Integrität und Nützlichkeit des digitalen Zwillings über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes zu erhalten. Es braucht dafür definierte Prozesse, geeignete Werkzeuge und Disziplin, doch der Aufwand lohnt sich, denn Entscheidungen werden so stets auf Basis aktueller Daten getroffen. Ein Digital Twin, der gewissenhaft gepflegt wird, avanciert zu einer zuverlässigen „einzigen Wahrheit“ für den Gebäudebetrieb und steigert erheblich die Effizienz – Fehler durch veraltete Pläne werden vermieden. Außerdem ist damit die digitale Dokumentation des Gebäudes zukunftssicher angelegt, da „wie gebaut“ jederzeit wirklich dem „wie es ist“ entspricht.

ESG, Lebenszyklus-Mehrwert & Zukunftsfähigkeit

Über die unmittelbare Betriebsoptimierung hinaus trägt der BIM-gestützte digitale Zwilling ganz wesentlich zu den ESG-Zielen, dem langfristigen Asset-Wert und der Zukunftsfähigkeit großer Büroimmobilien bei. Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte (ESG) gewinnen für Immobilienportfolios stark an Bedeutung, da Investoren und Gesetzgeber Transparenz in Sachen Nachhaltigkeit und Performance fordern. Ein Digital Twin dient als datengestütztes Fundament, um diese Aspekte zu überwachen und zu berichten. Beispielsweise können CO₂-Fußabdruck und Energieverbrauch in fein granulierter Form nachverfolgt werden – der digitale Zwilling vermag den Kilowattstundenverbrauch pro Etage, pro Anlage und sogar pro Nutzer zu dokumentieren, ebenso Wasserverbrauch, Abfallaufkommen und Innenraumklimawerte. All dies fließt in Nachhaltigkeitsberichte ein. In der EU verlangt die neue Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) detaillierte Offenlegung der Umwelt- und Klimaauswirkungen, inklusive der Gebäudebetriebsdaten, für große Unternehmen. Branchenexperten betonen, „ein digitaler Zwilling mit Einblick in detaillierte Gebäudeleistungsdaten ist ideal, um die Anforderungen der EPBD und CSRD zu erfüllen“. Er ermöglicht die Erfassung von Kennzahlen wie CO₂-Ausstoß pro Nutzfläche, Anteil erneuerbarer Energien am Verbrauch usw. Durch diese „Scheibchenzerlegung“ der Daten (z.B. Vergleich von Energiebedarf und Belegungsgrad oder Gegenüberstellung von Gebäudehülle-Leistung und Nutzungsverhalten) können Unternehmen Verbesserungen nachweisen und sowohl die CSRD- als auch die Anforderungen der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) erfüllen. Der Zwilling wird im Grunde zum Nachweisarchiv, das die Leistungsversprechen – etwa zur Energieeffizienz und Emissionsminderung – mit harten Zahlen belegt.

Auch auf der sozialen und Governance-Seite von ESG unterstützt der digitale Zwilling: Er hilft, gesunde und sichere Umgebungen sicherzustellen (Überwachung von Frischluftzufuhr, thermischem Komfort, Beleuchtungskomfort und Vermeidung von Überbelegung, wie zuvor beschrieben) und liefert einen Audit-Trail für Wartungen und Sicherheitsprüfungen (wichtig für Governance und Haftung). So kann z.B. nachgewiesen werden, dass alle Luftfilter termingerecht gewechselt oder die Notbeleuchtungen planmäßig getestet wurden – Informationen, die sowohl ins ESG-Governance-Reporting einfließen als auch für behördliche Nachweise etwa im Brandschutz relevant sind. Dieses Maß an datengestützter Aufsicht ist nicht nur für Regulierer attraktiv, sondern auch für Mieter, die Wert auf grüne und professionell gemanagte Gebäude legen. Ein Gebäude mit Digital Twin kann leichter Zertifizierungen wie DGNB, LEED oder WELL erlangen, da es die erforderlichen Nachweise für diverse Kriterien (Energie-Monitoring, Inbetriebnahme, Luftqualität etc.) liefern und die Performance auch im Betrieb halten kann, was für Rezertifizierungen wichtig ist.

In Bezug auf den Lebenszyklus-Mehrwert gilt: Ein Gebäude, das mit einem umfassenden digitalen Zwilling gemanagt wird, hat tendenziell geringere Betriebskosten und besser erhaltene Systeme – was sich wiederum positiv auf seinen Marktwert auswirkt. Prädiktive Wartung und Energieoptimierung verlängern die Lebensdauer von Anlagen und senken laufende Kosten, was direkt den Net Operating Income (Reinertrag) erhöht – eine wichtige Kenngröße für die Immobilienbewertung. Zudem wird das Risiko unerwarteter Ausfälle oder von Strafzahlungen (z.B. wegen Nichterfüllung von Auflagen im Bereich Brandschutz oder Energie) reduziert, wodurch das Objekt verlässlicher wird. Investoren und Eigentümer erkennen zunehmend, dass ein digitalisiertes Gebäude (teils als „Smart Building“ bezeichnet) höhere Mieteinnahmen oder Verkaufspreise erzielen kann, weil es den Nutzern geringere Gesamtkosten und mehr Ausfallsicherheit verspricht. Einige Analysen zeigen sogar Produktivitätssteigerungen und bessere Nutzererfahrungen in solchen Gebäuden, was indirekt den Wert hebt – so wurden durch Digital-Twin-Initiativen zweistellige prozentuale Verbesserungen bei der Energieeffizienz und beim Nutzerkomfort beobachtet. Diese Verbesserungen erfüllen nicht nur ESG-Kriterien, sondern machen das Gebäude auch zukunftssicherer angesichts steigender Energiepreise und einer kritischeren Betrachtung von Arbeitsräumen nach der Pandemie.

Zukunftsfähigkeit bedeutet in diesem Kontext vor allem Anpassungsfähigkeit. Ein digitaler Zwilling rüstet ein Gebäude so aus, dass es neue Technologien und künftige Regularien leichter integrieren kann. Beispielsweise hat ein Gebäude mit vorhandenem Digital Twin bereits die Struktur, um weitere Sensoren oder Smart-Building-Technologien einzubinden, und es verfügt über umfangreiche Datensätze, auf denen KI-Algorithmen lernen könnten. Sollten deutsche Bauvorschriften neue Anforderungen einführen (etwa strengere Vorgaben zur Innenraumluftqualität oder eine verpflichtende digitale Dokumentation bestimmter Prüfungen), ist die Infrastruktur, um diese zu erfüllen und darüber zu berichten, durch den Digital Twin bereits vorhanden. Die Gebäudedaten können außerdem in unternehmensweite Portfolio-Plattformen (Portfolio-Digital-Twins) einfließen, die es ermöglichen, mehrere Gebäude zu benchmarken und ganzheitlich zu optimieren – ein Vorgehen, das im Rahmen der EU-Taxonomie und der Sustainable-Finance-Regeln an Bedeutung gewinnt. Hinzu kommt: Im Zuge der EU-Klimaziele müssen Gebäude schrittweise auf Netto-Null gebracht werden, was Renovierungen im Bestand erfordert (die EPBD fordert bis 2030/2033 verpflichtende Sanierungen für einen bestimmten Anteil des schlechtesten Bestands). Ein Gebäude, das digital gemanagt wurde, kann solche tiefgreifenden Modernisierungen effizienter planen und umsetzen – wie zuvor beschrieben, lassen sie sich simulieren und die Verbesserungen nachher verifizieren. Dieses Gebäude hat im Grunde schon das Handwerkszeug, um sich in einen smarten, grünen Zukunfts-Bau zu verwandeln, statt von neuen Anforderungen kalt erwischt zu werden.

Es ist die Transformation vom BIM zum Digital Twin im Facility Management nicht nur ein technischer Fortschritt, sondern eine Investition in die nachhaltige und wirtschaftliche Zukunft des Gebäudes. Der Digital Twin liefert die harten Fakten für ESG-Berichte und Zertifizierungen, demonstriert den Willen zu Transparenz und Effizienz (den immer mehr Stakeholder erwarten) und verbessert die Anpassungsfähigkeit der Immobilie in einem sich schnell wandelnden Umfeld von Vorschriften und Technologien. Durch die Umsetzung von DIN ISO 19650-konformen Methoden und Digital-Twin-Praktiken kann der kommerzielle Bürosektor in Deutschland sowohl den Lebenszykluswert der Assets steigern, als auch aktuelle und kommende Regularien wie GEG 2024 und CSRD erfüllen – und sicherstellen, dass ihre Gebäude wettbewerbsfähig, umweltgerecht und resilient für die kommenden Jahrzehnte bleiben.